Teichmühle Steinwiesen

Museum und Betrieb zugleich

Das Bretterfloß

Im 19. Jahrhundert säumten Bretterfloße die Unterläufe der Frankenwaldflüsse.
Das nachgebaute Bretterfloß an der Teichmühle Steinwiesen ist das einzige in ganz Nordbayern.


Bretterfloß.jpg

Vorsitzender Michael Kestel stellt das nachgebaute Bretterfloß vor. Altlandrat Dr. Heinz Köhler, der seinerzeitige Mühlvogt und Landrat Oswald Marr und sitzend stv. Mühlvogt Erster Bürgermeister Wunder (von rechts) sind aufmerksame Zuhörer.

                    von Gerd Fleischmann, ehemaliger Kreisheimatpfleger


Das Areal der Teichmühle ist im Jubiläumsjahr 2007 um eine Attraktion reicher geworden. Unter der Leitung von Vorsitzenden Michael Kestel hat der Mühlenverein Rodachtal ein historisches Bretterfloß nachgebaut, das letztmals in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf der Rodach befördert wurde.

Ein solches Floß bestand ausschließlich aus Brettern, die später von den Flößern entlang des Mains verkauft wurden. Fast 20 Festmeter Mühlholz mussten von Bernhard Schlee und Bernhardt Lang für die erforderlichen 480 Bretter (zwei Rieg) geschnitten werden.

Das Bretterfloß hat dieselben Abmessungen wie ein Doppelflügel um 1800, d.h. es ist 6 Meter lang, 2,30 Meter breit und 0,75 Meter hoch, Gespannt wurde das Floß mit 11 Meter langen Vierfach-Seilen, die aus der Seilerei im Dobersgrund stammen und extra hierfür angefertigt wurden. Die Flößer verwendeten früher meist Wieden, das sind gedrehte und gedörrte junge Fichtenstämmchen.

Ein solches Bretterfloß umfasste ursprünglich neun Kubikmeter geschnittene gute Ware und wurde auch von der Teichmühle bis an den Main von einem Mann als Anhang an einen Langholz-Boden in drei bis vier Tagen bis nach Bischberg geflößt und dort verkauft.

Um die Realisierung dieses historischen Bretterfloßes haben sich Bernhard Schlee, Bernhardt Lang, Hans Ströhlein, Robert Kaiser und Werner Badum verdient gemacht. Außerdem haben die Sägewerke Stumpf und Reuther die Riegpfaden zum Stabilisieren und die Raidel zum Spannen spendiert.

Zwischen 1800 und 1900 wurde nahezu die Hälfte des Holzes als Bretterflöße an den Main gebracht. Ab 1900 erfolgte dies hauptsächlich mit der Rodachtalbahn.

 

Bretterflöße auf Rodach und Main im ausgehenden Mittelalter

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36.jpgBau von Bretterflößen an der Wichenmühle bei Unterrodach (1927/28)

Über den Holzexport aus dem Frankenwald geben uns bereits ab dem Jahre 1485 die Kronacher Kastenamts- und Zollrechnungen genaueren Aufschluß.

Demnach wurden damals folgende Zölle erhoben für

            1          Balkenboden                         18 Pfg.

            1          Pfettenboden                       12 Pfg

            1          langes Bloch                          1,5 Pfg

            1          kurzes Bloch                          1 Pfg

            1          Bretter-Riege                        12 Pfg

             100     Bürden Pfähle                     12 Pfg

Die Zollstätte nahm dabei im Jahre 1485 insgesamt einen Betrag von umgerechnet 4400 g Silber ein. Die Einnahmen steigerten sich bis 8480 g im Jahre 1496/97 und nahmen dann 1507/08 wieder ab auf 3389 g. Im Durchschnitt lagen sie jährlich bei 5447 g  Silber. Interessant ist, daß die Zolleinnahmen aus der Rundholzflößerei (Böden), aus den Bretter-Riegen und aus den als Floßfracht mitgenommenen Weinberg-Pfählen (jede Bürde mit 30-60 Stück) in etwa gleich hoch waren.

Ein Balkenboden war ein aus bis zu 6 stärkeren Rundhölzern mit Querriegeln unter Einsatz von Härtwieden gebautes Floß. Ein Pfettenboden bestand aus bis zu 12 schwächeren Rundhölzern, die die Zimmerleute und Pfadenhauer für Dachstühle oder Fachwerk vor Ort mit der Breitaxt behauen haben.

Ein langes Bloch war ein Einzelrundholz zum Floßbau (über 12 m), ein kurzes Rundholz diente zum Schnitt in der Sägemühle (3 bis 6 m).

Eine Rieg war ein Bretterfloß, bestehend aus 240 kurzen (3 m) Brettern oder 200 langen (4,2 m) Brettern, die durch seitl. Rundhölzer und Wieden zusammengehalten wurden. Sie wurden damals für 480 Pfg = 56 g Silber gehandelt; die Gebühr für Riegen betrug an der Kronacher Zollstelle („Zollscheere“ in Neuses) 12 Pfg = 2,5 % des damaligen Handelswertes.

Allein im näheren Kronacher Umkreis gab es um das Jahr 1500 bereits 17 Schneidmühlen, die Rundholz zu Brettern sägten.

Eine erste Floßfahrt bis Mainz mit 13 Riegen und 2 Böden für den Mainzer

Bischof ist in der Aufstellung von 1496/97 durch den Zolleinnehmer Peter Lang

belegt. „Nikel Schnabrich aus Wallenfels und Hans Schmittlein aus Kronach haben dem Bischof zu Mencz“ die Stücke durch den Kronacher Zoll geführt.

Michael Kestel

Mühlenverein Rodachtal e.V.

27.05.2018

 

Quelle : „Der Obermain als Handelsstraße“ von Dr. Alfred Köberlin 1899

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